29/03/2026 0 Kommentare
Eine Frau – ein Reich – ein Glaube
Eine Frau – ein Reich – ein Glaube
# Pfarrei Berichte

Eine Frau – ein Reich – ein Glaube
Sancta Helena in Spandau auf der Bühne
Eine starke Frau in Schlüsselmomenten der Geschichte, vor allem auch der Geschichte des Christentums – darum geht es in dem Theaterstück „Sancta (?) Helena“. In einer Zeit großer Umbrüche sichert die Mutter des Kaisers Konstantin im dritten und vierten Jahrhundert nach Christus nicht nur die Herrschaft ihres Sohnes, sondern stellt damit auch die Weichen für die Anerkennung der christlichen Religion und das Ende der Verfolgung der Christinnen und Christen im Römischen Reich.
Auf die Bühne des Gemeindehauses von Maria, Hilfe der Christen gebracht wurde das Stück des Autors Marcel Reuter durch die nichtkommerzielle Gruppe TheaterB. Veranstalter war der Diözesanrat des Erzbistums, organisiert wurden die Aufführungen am 29. und am 30. November durch die Gruppe Synodale Gemeinde / Maria 2.0 in Zusammenarbeit mit der Kolpingsfamilie Spandau und der kfd St. Marien. Insgesamt mehr als 80 Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgten an den beiden Tagen gebannt die Darbietungen der Schauspielerinnen und Schauspieler. Die Kolpingjugend übernahm - wie stets freundlich und zugewandt - den Thekendienst.
Helena, auf der Bühne sehr überzeugend dargestellt von Pia-Maria Görner, kommt selbst aus einfachen Verhältnissen. Reuter schreibt ihr die Rolle der schönen Gastwirtin zu, die das Interesse des mächtigen römischen Offiziers Constantius weckt. Es gelingt ihr, in der von Männern dominierten Welt mit Anmut, Geschick und großer Durchsetzungskraft zu einer Schlüsselfigur in den politischen Macht- und Ränkespielen des späten Römischen Reichs zu werden. Dabei ist sie selbst nicht zimperlich, wenn es darum geht, die Karriere ihres Sohnes zu fördern oder Gegnerinnen und Gegnern und Neiderinnen und Neider auszuschalten.
Schon früh kommt Helena mit dem christlichen Glauben in Kontakt, der für sie eine wesentliche Kraftquelle und Leitschnur wird. Ihr Einfluss ermöglicht es ihr nicht nur, Mitchristinnen und Mitchristen zu schützen. Sie legt gemeinsam mit Konstantin, dargestellt von Manuel Edler, auch die Wurzeln für die spätere politische Macht und Übermacht des Christentums mit allen positiven und negativen Aspekten.
Orientiert an den historischen Fakten, aber auch angereichert durch Fantasie und Ironie, machen die Schauspielenden von TheaterB Helenas Lebensgeschichte nahbar und begreifbar. So wird aus dem politischen Drama ein heiteres Stück, das die Wirren der damaligen Zeit humorvoll und das Agieren der späteren Heiligen zugleich durchaus kritisch aufgreift. Sichtbar werden moralische Abgründe, aber auch menschliche Herzlichkeit bei Helena und ihrem Umfeld.
Zur Sprache kommen dabei auch zentrale Ereignisse der Kirchengeschichte wie das Konzil von Nizäa, das 2025 genau 1700 Jahre zurücklag. Dabei darf als teilnehmender Bischof auch der heilige Nikolaus nicht fehlen. Als alternde Kaisermutter reist Helena schließlich nach Palästina, wo sie – der Überlieferung nach – unter anderem die Überreste des Kreuzes Christi und der Gebeine der Heiligen Drei Könige entdeckt haben will.
Neben dem Theatergenuss war die Aufführung ein weiteres Mal auch Gelegenheit zur Begegnung und Vernetzung von Menschen aus den unterschiedlichen Gemeinden unserer Pfarrei Heilige Familie. Außer in Spandau wurde „Sancta Helena“ übrigens in den Monaten davor und danach noch in weiteren Pfarreien unseres Erzbistums aufgeführt. Die Uraufführung fand im Februar 2025 in St. Ludwig in Berlin statt, auch im Januar und Februar 2026 standen die Schauspielerinnen und Schauspieler an unterschiedlichen Orten auf der Bühne.
Benno König
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